Entstehungsgeschichte

November 1992: Erste Probefahrt in Holland mit dem Kasko der ersten Kormoran Wörnitz.

Die Kormoran - Flaggschiff des Wassertourismus

Sie steht für leichtes Handling, viel Komfort unter Deck und viel Platz an Deck - die Kormoran ist seit ihrer Entwicklung zum Inbegriff des Wassertourismus auf Binnengewässern geworden. Doch wie kam es dazu, dass Kuhnle-Tours ein eigenes Hausboot hat?

 

Je öfter man auf einem Boot Urlaub macht, desto mehr Ideen kommen einem, wie man das Boot verbessern könnte. Den Anfang macht oft eine zusätzliche Halterung für die Abwaschbürste, dann überlegt man, wo ein Schrank oder eine Schublade praktisch wäre, bald versetzt man Zwischenwände und irgendwann nimmt man ein frisches Blatt Papier und fängt ganz von vorne an.


Schon bald nach der Eröffnung der Basis Waren (Müritz) im Frühjahr 1991 mit vier kleineren Hausbooten nimmt Harald Kuhnle ein Karopapier zur Hand, schreibt oben drauf „Vorgehensweise Bootstyp Ost-Dtschl.“ Darunter malt er jedoch keinen Bootsentwurf sondern einen Zeitplan: „Mai: Anforderungen entwickeln, bis 15.6.: Designer/Konstrukteur beauftragen, bis 30.6: Gespräche mit Werften, Angebote einholen, Entscheidung GFK/Stahl, 31.7.: Auftragsvergabe. Zwei Monate von der ersten Idee bis zum Bauauftrag an die Werft? Die Liste der entwickelten Anforderungen datiert vom 20. Juni 1991. Soviel zu Zeitplänen. 


Alles in Ordnung - die Kormoran 1260 hat die Krängungsprobe bestanden

Die Aufgabe war schnell formuliert: „Wie sieht das perfekte Charterboot für Binnengewässer aus?“ Auszüge aus der Anforderungsliste:

 

  • Eignung für Seen (auch raue Bedingungen) und enge Kanäle (Manövrierfähigkeit)
    große Fenster (gute Sicht von innen)
  • Farbe: Kuhnle-Tours-blau, zweite Farbe helles beige
  • Staumöglichkeit für Fahrräder
  • Radio/Cassettenrekorder? (GEZ-Gebühren!)
  • zweiter Steuerstand auf Flybridge (außen)
  • Langsamläufer (Umweltschutz), max. 8-10 km/h
  • Propeller eingefasst (Beschädigung vermeiden)
  • Stehhöhe mind. 1,95 m

 

Weitere Überlegungen waren:

  • gleichwertige Kabinen, sonst gibt es Streit bei der Kojenverteilung
  • voll ausgestattete Bordküche, denn in den neuen Bundesländern gab es 1991 noch wenig Restaurants am Wasser
  • ein eigenes Badezimmer pro Kabine mit komfortablem Töpfchen, weil sonst keine Frauen mitfahren wollen
  • Komfort wie an Land, mit fließend warmem und kaltem Wasser, Heizung
    einfach zu bedienende Technik ohne überflüssigen Schnickschnack
  • schnell und einfach sauber zu halten und zu putzen (kein Teppich)
  • vor allem robust

März 1998: Die erste Kormoran der Kuhnle Werft - Vorbereitungen zur Taufe

So ein schönes Boot!

Am 26. Mai 1991 erzählt Charles Gerard, Hafenbetreiber und Bootshändler aus Frankreich dem angehenden Charterunternehmer von einem Industriedesign-Studenten aus Hamburg, der am 8. Juni zu ihm nach St. Jean de Losne kommen will. Harald Kuhnle fährt auch hin. Am 20. Juni tropfen die ersten Zeichnungen von Peter Sonntag aus dem Firmenfax, geschickt noch aus Charles Gerards Hafen in St. Jean de Losne. Harald Kuhnle ist begeistert. So ein schönes Boot! Er zeichnet eine Dachluke in die Bugkabine ein, unterschreibt die Honorarvereinbarung und faxt alles postwendend zurück.


Man sollte meinen, dass es schwerer ist, ein Boot zu entwickeln, als es zu bauen. Nur so viel: Die Sache mit der niederländischen Werft war zäh. Schon im Juli kommen die ersten Änderungswünsche: „Ich entrate ein Holzsteuerhaus“, das sei zu teuer zu bauen und zu pflegeaufwändig. Harald Kuhnle und seine Mitstreiter sind sich einig: „Irgendwas muss Holz sein“ von wegen der Gemütlichkeit. So gehen Faxe, Briefe, Angebote hin und her. Am 1. August 1991 kommt ein Fax aus Holland, in dem wenigstens das Unterwasserschiff schon mal aufgemalt ist. Am 9. September bestellt Kuhnle-Tours „10 Hausboote Typ 2 und 3 Ost“. Den Namen der Werft nennen wir an dieser Stelle nicht, denn der ersten Probefahrt Anfang November folgt ein vier Seiten langer Mängelbericht.


Unsere Kormoran 1140 in Fahrt

Endlich selber ändern
Neben Peter Sonntag als Designer sind vor allem Charles Gerard und Alfred Solèr die Väter des Erfolgs der Kormoran-Baureihe. Sie kümmern sich um endlos viele Details (Charles Gerard „Die Deckel für die Fülllöcher sollen mit einer Kette gesichert sein.“), die die Werft mit Sicherheit vergessen hätte und die später kostenpflichtig hätten nachgebessert werden müssen.


36 Kormorane und vier Tjonger lässt Harald Kuhnle bis Ende 1995 in Holland bauen. Parallel beginnt eine zweite Werft an der Elbe, die Kormoran 950 zu bauen, zehn Stück werden 1992 und 1993 ausgeliefert. Dann hat Kuhnle endgültig genug. Er sucht nach einer Werft, die nur den Stahlrumpf bauen soll und wird in Polen fündig. René Meyenburg, damals noch Student, macht neue Konstruktionszeichnungen. Stefan Rokicki aus Police bei Stettin baut 1996 und 1997 nach Vorgabe des Schiffbaustudenten die ersten beiden Rümpfe. Per Tieflader kommen sie kurz nacheinander in Rechlin an, wo sich die neu eingestellten Schlosser und Tischler an den Innenausbau machen.


Endlich konnte man bei voller Kostenkontrolle selbst ändern! Als erstes wurde achtern umgebaut: Eine Badeplattform nahe der Wasserlinie! Der Rumpf in Schleppversuchen strömungsoptimiert! René Meyenburg, heute Leiter der Werft, erfindet eine landstrom-unabhängige Warmwasserbordheizung. Die Welle für den Bootsantrieb fliegt gleich zu Anfang raus, statt dessen kommen Schläuche für einen hydraulischen Antrieb. Ein Kunststoff-Formteil für alle Nasszellen wird in Auftrag gegeben. Auch gibt es eine Außendusche auf der Badeplattform.


Am 27. März 1998 wird die erste in Rechlin gebaute Kormoran 1140 vom damaligen Mecklenburg-Vorpommerschen Wirtschaftsminister Jürgen Seidel auf den Namen Kiebitz getauft. Bis zum Herbst 2009 hat die Kuhnle Werft 60 Kormorane (und zwei vetus 900) gebaut.